Fragen und Antworten zur Hospizarbeit

 

1. Was ist Hospizarbeit?

 

Der Begriff Hospiz (hospitium = lat. Herberge) steht symbolisch für das Ziel, Orte und Räume zu schaffen, wo Schwerkranke und Sterbende Menschen in der letzten Zeit ihres Lebens versorgt und begleitet werden, so dass sie  würdevoll leben und sich von ihrem Leben verabschieden können.

 

Die Hospizbewegung sieht das Leben von der Geburt bis zum Tod als Ganzes. Daher setzt sich die Hospizarbeit für die ganzheitliche Begleitung von Schwerkranken und sterbenden Menschen jeden Alters, die Entlastung der Angehörigen und des näheren Umfeldes ein.

 

Hospizarbeit hat das Ziel, den natürlichen Vorgang des Sterbens in das Leben zu integrieren. In enger Zusammenarbeit mit Ärzten, Pflegediensten, SAPV  und den Angehörigen ist es unser oberstes Ziel Sterbende so zu begleiten, dass sie die letzte Zeit weitgehend schmerzfrei, selbst bestimmt und wenn möglich in Ihrer vertrauten Umgebung verbringen können.

 

Das kann gelingen, wenn sowohl der betroffene Patient als auch seine Angehörigen und Freunde mit ihren Bedürfnissen wahrgenommen werden. Sie brauchen beide gleichermaßen Wahrhaftigkeit und Fürsorge.

 

2. Wann ist der richtige Zeitpunkt, um die Hospizgruppe einzuschalten?

 Wenn kurative Hilfe nicht mehr möglich ist, betreuen wir in der letzten Lebensphase Patienten sowie deren Angehörige.

 

Der richtige Zeitpunkt uns zu kontaktieren ist dann, wenn Sie wissen, dass ein naher Angehöriger, Partner, Freund, Nachbar sterben wird und Sie Fragen haben und/oder sich konkrete Unterstützung wünschen.

 

Die Hospizgruppe kommt dem Wunsch vieler Menschen entgegen:

 

„Lasst mich doch zuhause sterben“.

 

Diese Bitte können wir mit unseren vielseitigen Hilfsangeboten fast immer erfüllen. Der richtige Zeitpunkt dafür heißt: „Je früher desto besser“, dann haben wir die Chance uns kennen zu lernen und Vertrauen aufzubauen.

 

Rufen Sie bitte frühzeitig an und fragen nach!

 

3. Wie lange begleitet die ambulante Hospizgruppe einen Sterbenden?

 

Die Dauer der Begleitungen kann sehr unterschiedlich sein und orientiert sich an den Bedürfnissen der Sterbenden, ihrer Angehörigen sowie unserer Einschätzung. Sie können von ein paar Stunden bis hin zu mehreren Jahren dauern - solange wie es aus ihrer und unserer Sicht erforderlich und sinnvoll ist.

 

4. Was tun die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und wie oft können sie da sein?

 

Unsere geschulten MitarbeiterInnen sind beim Sterbenden, hören zu, reden oder schweigen, lesen vor,  geben ihm zu trinken. Sie tun was ansteht und nicht in den Bereich der körperlichen Pflege fällt. 

Die Häufigkeit und Art der Einsätze richtet sich nach den Bedürfnissen des Sterbenden und seines Umfeldes.

 

 5. Hat das Ehrenamt eine Ausbildung?

 

Unsere ehrenamtlichen Begleiter und Begleiterinnen sind das Kernstück der Hospizgruppe. Sie werden von erfahrenen Krankenschwestern und Hospizfachkräften nach dem Celler-Modell im Zeitraum von ca. 1 Jahr auf ihren Dienst vorbereitet. 

Interessierte sind willkommen!

Wir wünschen uns offene Menschen, die vertrauen ins Leben haben und Neues erfahren  möchten.

 

6. Welche Unterstützungen / Informationen kann ich als Angehöriger bekommen?

 

Rufen Sie uns an  wenn sie Fragen haben wie:

  • Was mache ich, wenn mein Partner nicht mehr mit mir sprechen will, obwohl ich das Gefühl habe, es gibt noch viel zu klären?
  • Darf ich über den Tod und das Sterben sprechen und darf ich meinem sterbenden Vater meine Traurigkeit zeigen?
  • Was kann ich tun, wenn mein Mann/meine Frau im Sterben liegt und die Kinder ziehen sich nur noch zurück?
  •  Was kann ich tun wenn mein Partner nichts mehr isst und trinkt?
  • Wie kann ich Kinder auf einen bevorstehenden Tod vorbereiten?

weitere Informationen über Unterstützungsmöglichkeiten bieten:

  • Pflegedienste
  • Nachbarschaftshilfe
  • Stationäre Hospize in Kirchbierlingen, Ulm, Biberach und Illertissen
  • Palliativpflege Biberach ( SAPV )

 

7. Entstehen für mich Kosten?

 Nein. Die Hospizarbeit wird über einen Krankenkassenzuschuss und Spenden finanziert.

 Dadurch sind unsere Angebote kostenfrei.

 

8. Welche Grundhaltung vertritt die Hospizarbeit?

 Das Leben wird weder künstlich verlängert noch durch Einwirkungen von Außen verkürzt. Der Sterbende und seine Angehörigen stehen mit ihren individuellen Bedürfnissen im Mittelpunkt. Dies umfasst:

1. Die körperliche Dimension:

 Liegen Sie gut? Haben Sie durst? Verspüren Sie Schmerzen? Dies sind einfache aber wichtige Fragen, die des Öfteren gestellt werden sollten. Auf eine gute Schmerzbehandlung und Pflege sollte großen Wert gelegt werden.  So entsteht Raum für einen gelingenden Abschluss der letzten Lebensphase.

2. Die seelische und soziale Dimension:

 Der Abschluss des Lebens steht immer in Bezug zum gesamten vorangegangenem Leben. So individuell und verschieden die Lebensentwürfe und Biographien der Betroffenen sind, so unterschiedlich können die Bedürfnisse und auch die Wünsche an die Art der Begleitung am Ende des Lebens sein.
Das zu respektieren und allem, was im Verlauf eines Sterbeprozesses auftaucht, mit einer offenen, neugierigen Haltung zu begegnen, ist für uns eine wichtige Grundhaltung.

 

            Gefühle wie Trauer und Wut über das Leben, die Krankheit und den Tod dürfen zum Ausdruck gebracht werden. Seelische Bedürfnisse, die in der Begleitung häufig vorkommen sind:

              --  über Konflikte und belastende, meist familiäre Situationen zu reden

                 --  Gefühle wie Angst, Schuld, Zweifel, Einsamkeit, Schmerz... zeigen und ansprechen

                 --  der Wunsch an wichtigen Entscheidungen weiter beteiligt zu werden 

                 --  sich einen Herzenswunsch zu erfüllen

               --  auf Fragen eine ehrliche und vollständige Antwort zu bekommen. 

              3. Die spirituelle Dimension:

 Im Sterbeprozess können sowohl für den Betroffenen als auch für die Angehörigen und Freunde Fragen nach Sinn und Bedeutung von Leben, Leid und Tod sowie nach einem möglichen Weiterleben auftauchen. Manchmal auch eine Suche nach einem Gefühl von Integrität, Geborgenheit  und Vertrauen in das menschliche Dasein generell.

 

Für manche Menschen sind diese spirituellen Aspekte mit einer Religion oder der Erkenntnis eines höheren Bewusstseins verbunden.

 In der Begleitung steht für uns die christliche Überzeugung und die eigene Spiritualität des Sterbenden im Vordergrund.

 Menschen aller Religionszugehörigkeiten sind bei uns willkommen.

 

9. Trauer

 Ist die Hospizgruppe auch nach dem Tod für mich da?

 

Die Begleitung der ambulanten Hospizgruppe schließt die Zeit nach dem Tod eines Familienmitgliedes mit ein. Trauernde Angehörige haben die Möglichkeit das Trauerkaffee zu besuchen und / oder das Angebot der Trauergruppe anzunehmen (siehe unter Trauer).

 

Des weiteren haben wir Trauerbegleiterinnen oder stellen  auch gerne den Kontakt zu einem Seelsorger oder Seelsorgerin her.

 

Wenn ein Mensch stirbt, der Ihnen nahe steht, kann es sein, dass vieles in ihrem Lebensgefüge aus dem Lot gerät. Zwischenmenschliche Beziehungen können sich verändern, auch Pläne und gemeinsame Lebensträume.

 

So unterschiedlich wie die Trauer sich zeigt, so verschieden ist auch der Wunsch nach Unterstützung in dieser Zeit. Wir möchten Sie begleiten, ihren persönlichen Weg zu finden, indem wir Ihnen Raum geben für:

Aufwühlende Gefühl, Gedanken und Erinnerungen

das Aussprechen von Sorgen und Ängsten

stille Momente